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Geschichte der Uhr
Von den Uhren zu den Pendulen
"Uhren sind die einzigen historischen Maschinen, die
vor Jahrhunderten entstanden und noch heute funktionierten, jetzt
wie einst gleichmäßig und unverändert die Stunden
angeben."
Das Aussehen der Uhren war vom Zeitgefühl bestimmt.
Die Räderuhr wurde im 13. Jahrhundert erfunden, anschließend
veröffentlichte sie in allen Domen und an allen Rathäusern
die Zeit. In den folgenden 150 Jahren waren die charakteristischen
Strukturen monumentaler Uhren miniaturisiert. Durch die Erfindung
der Zugfeder wurden sie kleiner, konnten bewegt werden und waren
um die Mitte des 17. Jahrhunderts selbstverständliches Accesoire
von Personen und Räumen geworden.
Erfindung und Produktion von Räderuhren seit dem 13. Jahrhundert
hatte vielfache Ursachen. Im 17. Jahrhundert waren Zweck und
Nutzen, Bedarf und Verbreitung der Uhren ebenso vielfältig
begründet. Ihre Zeitangabe war selbstverständlich für
alle geworden. Die Gliederung und Regelung der Stunden in den
Gemeindewesen, wie den einzelnen Haushalten war überall
gleich. Die Veredelungswirtschaft der Stände und die Arbeitstrennung
durch die Zünfte hatten Produktion und Absatz bestimmt,
hatten dem Hersteller erlaubt arbeitsteilig und damit seriell
zu arbeiten, hatten dem Kunden ermöglicht, Wünsche
zu äußern um in handwerklicher oder künstlerischer
Vielfalt Gehäuse zu gestalten.
Die Abfolge der technischen Entwicklungen der Uhr sollen hier
im Anschluss mit wenigen Worten zusammengefasst werden. Die Zusammenfassung
erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit.
3000 v.Chr.
Etwa 3000 v. Chr. wurden nachweislich in Ägypten Sonnenuhren gebaut. Es konnte nach der Entschlüsselung der Hieroglyphenschrift ein Zeichen für den Begriff "Stunde" nachgewiesen werden. Dieses Zeichen wird auf 2900-2800 v.Chr. datiert.
1500 v.Chr.
Um 1500 v. Chr. erfand der ägyptische Fürst Amenemhet
(unter Pharao Amenophis I) die Wasseruhr. Damit konnte erstmalig
unabhängig von der Sonne die Zeit gemessen werden.
In China konstruierte man Feueruhren, um damit in den Tempeln
die Gebetszeiten einzuteilen.
800 n. Chr.
Einen ähnlichen Zeitmesser wie die Wasseruhren, nämlich die Kerzenuhr, führte der Kirchenvater Beda um 800 n.Chr. ein, da die Wasseruhren im Winter oft einfroren.
Nach 800 n.Chr. tauchte auch die Sanduhr auf, die sich als Eieruhr
bis in unsere Zeit hinübergerettet hat. Früher stand
eine Sanduhr auf der Kanzel neben dem Prediger, in der Gelehrtenstube
oder an Bord der Schiffe neben dem wachhabenden Offizier.
13. Jahrhundert
Zum ersten Mal sind Räderuhren mit mechanischen Hemmungen
im
13. Jahrhundert nachweisbar.
Aus Dante´s "Göttliche Komödie" , letzter
Teil (1316 /1321) entnehmen wir die folgenden Zeilen:
Die Übersetzung der diesbezüglichen Zeilen lautet:
"Wie, wohlgefügt, der Uhren Räder tun.
In voller Eil zu fliehen scheint das letzte,
das erste scheint, wenn man´s beschaut, zu ruh´n."
14. Jahrhundert
Im 14. Jahrhundert häufen sich die Angaben über Uhren in Kirchen, Klöstern und Rathäusern. Es sind Uhren mit Spindelhemmung, Waag (Foliot) und Gewichtsantrieb. Einzelne Uhren waren schon mit Schlag- oder Weckerwerken versehen. So wissen wir von Uhren in Petersburg (1320), Mailand (1336), London (1346), Straßburg (1352), Nürnberg (1361), Augsburg (1364).
Ca. 1350 bis etwa 1550 werden Eiserne Uhren in Innenräumen
aufgestellt. Sie haben meistens Schlagwerke und auch einen Wecker.
Sie standen an einem zentralen Ort im Haus und hatten die Aufgabe
die Hausbewohner zu wecken. Diese Werke sind offen, entweder
zwischen vier gotischen Eckstrebepfeilern mit Fialen eingebaut
(Prismenbauweise) oder in einem flachen Rahmen. Beide Typen sind
bis in das Jahr 1650 noch gebaut worden.
Die älteste Hemmung ist die Spindelhemmung, die schon
mit Erfindung der Räderuhr geschaffen wurde. Sie hat sich
bis gegen Ende 1700 bewährt.
Um 1400 wird der Federantrieb entwickelt. Die ersten Federzuguhren
stammen aus Flandern oder Burgund. Die Standuhr Philipp´s
des Guten von Burgund (um 1430) hat eine Spindelhemmung, zwei
Radunruhen für Geh- und Schlagwerk, Zugfedern in Federhäusern
und Schnecken.
Um 1480 skizzierte Petrus Alemannus in Rom Details von Federzuguhren,
die zeigen, dass damals Federhäuser, Schnecken, Spindelgang,
Schlagwerk und andere Konstruktionsdetails bereits weitgehend
verwendet wurden.
Leonardo da Vinci zeichnete ca. 1494 eine Anordnung, die einem
Spindelgang mit fest eingebautem, kurzen Pendel entspricht.
Der Chronist Johannes Cochleus vermerkt in einer Chronik ca.
1513:
"Tagtäglich erfinden sie (die Künstler in Nürnberg)
feinere Dinge. So bringt Peter Hele (Henlein 1479-1542) ein noch
junger Mann Werke hervor, die selbst die gelehrtesten Mathematiker
bewundern, denn aus wenig Eisen fertigt er Uhren mit vielen Rädern,
die, wie man sie auch wenden mag ohne irgend ein Gewicht 40 Stunden
zeigen und schlagen, selbst wenn sie im Busen oder Geldbeutel
stecken."
Henlein dürfte wohl der erste gewerbliche Hersteller tragbarer
Uhren gewesen sein. Die Uhren waren aber nicht eiförmig,
wie oft irrtümlich berichtet wird, sondern zylindrisch oder
dosenförmig.
Das Nürnberger Handwerk nimmt in dieser Zeit die Fertigung
der Federzuguhren auf. Mehrere bedeutende Erfindungen sind dort
entstanden. Die so genannte Stackfreed (Federbremse), die Regulierung
der Amplitude der Umrast durch verstellbare Schweinsborsten und
die Trägheitsmomentkorrektur der Unrast durch unsymmetrische,
verschiebbare Löffelenden.
Ab dem Jahr 1525 verbreiten sich Tischuhren mit Federantrieb
in Form kreisrunder Dosen oder rechteckiger Kästchen mit
waagrechtem Zifferblatt. Die Weckerwerke erhalten ihre Anordnung
zunächst getrennt über dem Gehwerk.
1550
Seit der zweiten Hälfte des 16. Jhdt. werden Tischuhren
mit Köfferchen oder Holzgehäusen als Reiseuhren verwendet.
Die so genannten Türmchenuhren mit turmartigen Metallgehäusen,
die vier Schauseiten bieten, verbreiten sich ab ca. 1540. Wanduhren
mit Gewichten stellen die Gebrauchsuhren für Bürger
und Bauern dar.
Ab 1555 gelingt es in Nürnberg die dosenförmigen Federzuguhren
viel flacher als vorher zu bauen. So dass sie leicht als Anhänger
getragen werden konnten.
1583 Galileo Galilei erkennt den Isochronismus der Pendelschwingungen
bei ungleichen Größen der Ablenkung
Ab 1600 entwickelte sich die Bodenstanduhr, dadurch, dass die
Säulenuhr nunmehr gegen die Wand gestellt und deren Vorderseite
bevorzugt ausgebildet wird.
1620
In mehreren Orten Englands erzeugen Kleinuhrmacher bemerkenswerte
silberne Sackuhren bedeutender Qualität. ((Robert Grinkin,
Eduard East).
1641 Galilei lässt durch seinen Sohn Vincenzo eine Zeichnung
eines Uhrwerkes herstellen, bei der zum ersten Mal in bewusster
Weise das Pendel als Zeitnormale benutzt wird.
1656
Christian Huygens (1629- 1695) Professor in Den Haag baut seine
erste Pendeluhr bei der das Pendel nicht starr mit der Spindel
gekoppelt ist. Dank seines energischen Eintretens für diese
Idee beginnt damit der Siegeslauf der Uhren mit Zeitnormalen
mit ausgeprägten Eigenschwingungen (Isochronismus).
1658
Christian Huygens gibt die Zykloidenführung an, um Isochronismus
der Pendelschwingungen unabhängig von der Größe
der Amplitude zu erreichen.
1660
Dr. Robert Hook in London versucht an einer tragbaren Uhr die
Unrast mit einer geraden Feder zu koppeln, um ein System mit
eigener Schwingung zu gewinnen.
1673
Christian Huygens gibt ein Buch über die Theorie des Pendels
heraus. Er macht Versuche mit dem Seidenfaden als Pendelaufhängung.
1674
Christian Huygens koppelt die Unrast mit einer Spiralfeder und
erfindet somit die Unruh im heutigen Sinn, das grundsätzliche
Zeitnormal für alle tragbaren mechanischen Uhren.
Ende des 17.Jahrhunderts
Eine Gruppe Londoner Uhrmacher (East, Fromanteel, Knibb, Quare
und Tompion) entwickeln innerhalb von 30 Jahren Bodenstand-,
Stock-, und Taschenuhren, die bei weitem den anderen kontinentaleuropäischen
Uhrenproduktionen überlegen sind. Dadurch gewinnt England
für mehrere Generationen die Führung bei der Herstellung
von Uhren. Dank der durch die Anwendung des Pendels gesteigerten
Genauigkeit erhalten in rasch zunehmendem Maße die Stock-
und Bodenstanduhren Minutenzeiger nach unserer heutigen Anordnung
mit Stunden- und Minutenrohr auf der Minutenwelle.
Die englischen Uhrmacher am Ende des 17.Jahrhunderts formten
in wenigen Jahren einen Taschenuhrentyp der für mindestens
zwei Generationen den Bau und weitgehenden auch die Form der
Taschenuhren des übrigen Europas beeinflussten. Der Übergang
von den einzeigerigen Sackuhren mit einfacher Unrast zu den Unruh-Uhren
volllzieht sich in England unabhängig von den Pendellideen
fließend. Der Spindelkloben wird vergrößert
und für die Feineinstellung der aktiven Spiralfederlänge
wird ein kleines Stellzifferblatt auf der Rückplatine angebracht.
Mit der Zifferblattaufteilung wird viel herum experimentiert,
aber ca. 1700 setzt sich in England das 12 Stunden-Blatt mit
Minuteneinteilung und zwei Zeigern durch. Die Spindelwerke sind
in der Überzahl.
1676
erfinden Eduard Barlow und Daniel Quare , jeder für sich
die Repetitionsmechanismen. Im gleichen Jahr baut William Clement
in London die erste Federpendelaufhängung.
1680
führt William Clement den rückfallenden Hakengang ein.
Der so genannte Clement´sche Haken. Sicher ist nicht, ob
es die Entwicklung allein von Clement war, es ist nicht auszuschließen,
dass die grundlegende Idee von Dr. Robert Hook herrührt.
In jedem Fall brachte die Einführung des Hakenganges eine
wesentliche Verbesserung der Gangergebnisse gegenüber der
Spindelhemmung mit ihren zu großen und ungleichen Schwingungen.
1695
Thomas Tompion (1638-1713) erfindet den ruhenden Zylindergang,
der später von seinem Schüler Georg Graham verbessert
wurde. Er legt damit den Grundstein für eine Hemmung in
tragbaren Uhren, die bis nach dem ersten Weltkrieg die häufigste
Hemmung in einfachen Gebrauchstaschenuhren war. Sie wies jedoch
zunächst beträchtliche Mängel auf, Hemmungsrad
aus Messing, leichte Unruh, dicke Zapfen, Lager aus Messing.
Nach der Einführung des Stahlzylinderrades durch Urban Jürgensen
1807 waren die Zuverlässigkeit und Ganggenauigkeit so gut,
dass sie über ein Jahrhundert die gestellten Anforderungen
erfüllte.
1704
erfindet in London der Genfer Fatio die Juwelenlager und verwendet
als erster gebohrte Rubine als Zapfenlager.
1714
Das Longitudinalproblem (genauer Längenbestimmung zur See)
das schon seit dem 16. Jhdt. Im Brennpunkt der wissenschaftlichen
Zeitmesskunst stand, erhält einen besonderen Antrieb dadurch,
dass die englischer Regierung einen Preis aussetzt. Auf einer
festgelegenden Seereise nach der Neuen Welt soll die geographische
Länge mit einem Fehler von 1/2 Grad bestimmt werden. (Dies
entspricht einer Abweichung von 2 Zeitminuten).
1715
Georg Graham, der Schüler von Tompion erfindet den nach
ihm benannten ruhenden Ankergang, den Graham-Gang) und verbessert
1720 den Zylindergang von Tompion
1721 erfindet Graham das nach ihm benannte Quecksilberkompensationspendel.
1724 erfindet Jean Baptiste Dutertre die Duplexhemmung. Die erste
Uhr mit diesem Hemmungsprinzip wurde von Pierre le Roy hergestellt.
1726
John Harrison (1693-1776) erfindet das Rostkompensationspendel.
Bei dem die verschiedenen Ausdehnungen verschiedener Metalle
zur Kompensation der temperaturbedingten Pendellängenänderung
verwendet wird.
1741
Der Franzose Amant erfindet den Stiftengang. Dies ist ein ruhender
Gang mit sehr geringem Anspruch bezüglich des Antriebsmomentes.
Die Ganggenauigkeit ist gleichwertig dem Graham-Gang unter der
Voraussetzung einer bestimmten Pflege der Stiftenölung.
1750
erfindet John Harrison das Gegengesperr. Dabei wird beim Aufziehen
des Gewichtes die Antriebskraft am Antriebsrad aufgehoben. Um
dem Werk während dieser Zeit Kraft zuzuführen und das
Gangrad vor Beschädigungen durch Aufsetzen des Ankers zu
schützen, wendet man das Gegengesperr mit Hilfsantrieb an.
Das Gegensperrrad muss eine möglichst feine Verzahnung
haben, damit seine Rückgangbewegung gering ist. Die Kraft
der Hilfsfeder muss der Antriebskraft des Gewichtes gleich sein.
1760
Thomas Mudge (1715-1794) der Schüler von Georg Graham und
bedeutendste Meister Englands in der klassizistischen Periode,
erfindet den freien Ankergang.
1781
Thomas Earnshaw in London (1749-1829) gibt dem Chronometergang
mit der Feder seine heute noch übliche Form.
1782
John Arnold erhält ein Patent auf seine freie Chronometerhemmung
mit gerader Feder und Temperatur kompensierender Unruh.
Weitere Entwicklungen der Chronometergänge werden von Ferdinand
und Louis Berthoud, Abraham Louis Breguet und Thomas Mudge gemacht.

1800 bis 1900
Abraham Louis Breguet (1747-1823) in Paris führt eine Reihe
bedeutender Konstruktionen in den Taschenuhrenbau ein. Die Breguetspiralfeder
(1800) , Tourbillion, Tonfeder, automatische Aufzüge, weiter
Verbesserungen der Zylinderhemmung.
1807 führt Urban Jürgensen in Kopenhagen (1776-130)
das Stahlzylinderrad ein
1826 Leschot führt den Zugwinkel bei der freien Ankerhemung
ein
1842 Adrien Philippe konstruiert in Genf seine erste Remontoireruhr
(Kronenaufzug)
1845 Ferdinand Adolf Lange aus Dresden (1815-1875) begründet
die Glashütter Taschenuhrenfabrikation
1850 Beginn der Schlesischen Taschenuhrenindustrie durch Eppner
(1812 -1887) in Lähn und Silberbert, und Becker (1819-1885)
in Freiburg in Schlesien.
1860 führt Erhard Junghans (1823-1870) in Schramberg die
Massenfabrikation nach amerikanischem Vorbild unter Verwendung
von Stanzteilen ein
1891 Der Ingenieur Dr. S. Riefler entwickelt in München
seine berühmte Hemmung mit konstanter Kraft und gleichzeitig
sein Röhren- Quecksilber- Kompensationspendel.
1898 konstruiert Dr. Riefler ein Invarpendel
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